Chronologischer oder antichronologischer Lebenslauf?
Der antichronologische – auch „umgekehrt chronologische“ – Lebenslauf ist hierzulande Standard. Wer im Internet nach Lebenslaufvorlagen sucht, wird deshalb meistens diese Art von Lebenslauf vorfinden.

Auch mit den richtigen Qualifikationen und Erfahrungen kommt es darauf an, wie du sie präsentierst. Personaler nehmen sich oft nur etwa 30 Sekunden Zeit für einen ersten Eindruck – deshalb müssen die wichtigsten Informationen sofort erkennbar sein. Die Reihenfolge, in der du deine Stationen darstellst, spielt dabei eine entscheidende Rolle.
In diesem Artikel erfährst du:
- was den antichronologischen Lebenslauf ausmacht,
- ob die chronologische Variante eine sinnvolle Alternative ist
- und worauf du beim Verfassen achten solltest.
Was ist ein antichronologischer Lebenslauf?
Beim antichronologischen (oder umgekehrt chronologischen) Lebenslauf führst du deinen Bildungsweg und deine beruflichen Stationen in umgekehrter Reihenfolge auf. Du beginnst also in der Gegenwart und arbeitest dich in die Vergangenheit zurück. Diese zeitliche Abfolge ist nicht nur für Jobsuchende am einfachsten zu schreiben, sondern auch für Personaler besonders effizient: Mit nur einem Blick erkennen sie, welche Qualifikationen und Erfahrungen du für die Stelle mitbringst, und müssen sich nicht erst mühsam bis zur Gegenwart vortasten. Nicht zuletzt deshalb hat sich dieses Format in Deutschland durchgesetzt.
Chronologischer und tabellarischer Lebenslauf
Bei deiner Jobsuche bist du im Zusammenhang mit Lebensläufen wahrscheinlich schon öfter auf die Begriffe chronologisch und tabellarisch gestoßen. Doch was ist das genau, gibt es überhaupt Unterschiede und falls ja, welche?
- Chronologischer Lebenslauf: Beim chronologischen Lebenslauf ist es genau umgekehrt. Hier startest du in der Vergangenheit und listest beispielsweise dein Abitur vor der Promotion auf und deinen ersten Job ganz oben, gefolgt von den weiteren Stationen. Hier liest sich dein Werdegang in der tatsächlichen Abfolge der Ereignisse. Deine Highlights und aktuellen Erfolge befinden sich an einer eher ungünstigen Stelle und stechen nicht gerade hervor. Aus diesem Grund wird der chronologische Lebenslauf kaum mehr genutzt.
- Tabellarischer Lebenslauf: Beim tabellarischen Lebenslauf geht es nicht um die zeitliche Abfolge, sondern um die Art der Darstellung. Sämtliche Angaben sind kompakt und übersichtlich im Tabellenformat aufgeführt, sodass Personaler in Sekundenschnelle relevante Fakten herauslesen können. Das tabellarische Format hat sich durchgesetzt, weil es aussagekräftiger ist und du mehr Informationen unterbringst.
Die meisten Lebensläufe hierzulande sind also antichronologisch UND tabellarisch.
Gut zu wissen
Das Adjektiv „chronologisch“ beschreibt die zeitliche Abfolge von Ereignissen auf einer Zeitachse, beginnend mit dem ältesten Geschehnis. Das Gegenteil davon ist antichronologisch. Doch im Kontext von Lebenslauf und Bewerbung verwenden viele Jobsuchende und Personaler die Begriffe chronologisch und antichronologisch als Synonyme. Ist die Rede von einem „chronologischen“ Lebenslauf, ist tatsächlich oft der „antichronologische“ Lebenslauf gemeint.
Der antichronologisch aufgebaute und tabellarisch dargestellte Lebenslauf ist hierzulande die erste Wahl für Jobsuchende und Recruiter. Doch welche Angaben gehören hinein?
Aufbau des antichronologischen Lebenslaufs
Hier zunächst die wesentlichen Bausteine, die in deinem antichronologischen Lebenslauf nicht fehlen dürfen. Personaler erwarten beim Lesen bestimmte Informationen an bestimmten Stellen, achte daher auch auf die Anordnung.
- Kontaktdaten
- Bewerbungsfoto (optional)
- Profil (optional)
- Persönliche Daten
- Beruflicher Werdegang
- Bildungsweg
- Besondere Kenntnisse und Fähigkeiten
- Schlussteil mit Ort, Datum, Name und Unterschrift
Bevor wir uns damit befassen, welche Angaben unter die einzelnen Überschriften gehören, hier noch einige allgemeine Hinweise.
- Zeitliche Abfolge: Da es sich um einen antichronologischen Lebenslauf handelt, beginnst du bei den Punkten 5 (Beruflicher Werdegang) und 6 (Bildungsweg) in der Gegenwart und arbeitest dich in die Vergangenheit zurück.
- Länge und Ausführlichkeit: Dein antichronologischer Lebenslauf sollte auf maximal zwei DIN A4-Seiten Platz finden und etwa die letzten 10 Jahre abdecken. Ältere berufliche Stationen sind in der Regel weniger relevant und können zusammengefasst werden. Dein Lebenslauf sollte nichts desto trotz keine Lücken aufweisen – denn diese machen Personaler stutzig.
Soviel zur Theorie. Nachfolgend ein Beispiel, wie dein antichronologischer Lebenslauf aussehen könnte.
Beispiel für einen antichronologischen Lebenslauf
Kommen wir nun zu den Komponenten im Einzelnen:
1. Kontaktdaten
Deine Postanschrift, E-Mail-Adresse und Telefonnummer nennst du in der Kopfzeile, damit dich Personaler schnell erreichen können.
2. Bewerbungsfoto (optional)
Ein Bewerbungsfoto darf gemäß den Bestimmungen des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) nicht mehr verlangt werden, dennoch ist das Bewerbungsfoto in Deutschland weiterhin gerne gesehen und bietet den einen oder anderen Vorteil.
3. Profil (optional)
Das Profil erscheint ebenfalls relativ weit oben im Lebenslauf und bietet Personalern eine kurze Zusammenfassung deiner Skills und Errungenschaften sowie erste Einblicke in deine Persönlichkeit.
4. Persönliche Daten
Hier gibst du deinen Vor- und Nachnamen, Geburtsort und Geburtsdatum an. Ob du Angaben zu Staatsangehörigkeit, Familienstand und Religionszugehörigkeit machst, bleibt dir überlassen.
5. Beruflicher Werdegang
Im antichronologischen Lebenslauf gibst du zuerst deine aktuelle Beschäftigung an und arbeitest dich in die Vergangenheit zurück. Abgesehen vom Zeitraum (Monat und Jahr) und dem Unternehmen (Arbeitgeber und Ort) nennst du hier deine Funktion und beschreibst stichpunktartig deine jeweilige Aufgabenstellung.
6. Bildungsweg
Hier gibst du Schulausbildung, Studium bzw. Berufsausbildung und die jeweiligen Abschlüsse an. Angaben zur Grundschule sind nicht relevant. Abschlussnoten kannst du nennen, wenn sie gut sind. Gib auch hier die Namen der Einrichtungen an und wann du sie besucht hast (Monat/Jahr).
7. Besondere Kenntnisse und Fähigkeiten
Personaler interessieren sich immer auch für besondere Skills und Zusatzqualifikationen. Fremdsprachen, Computerkenntnisse oder Führerschein und besondere Fahrerlaubnisse (Gabelstapler, Gefahrgut usw.) können durchaus den Ausschlag geben.
8. Schlussteil mit Ort, Datum, Name und Unterschrift
Am Schluss nennst du noch Ort, Datum und noch einmal deinen Namen und unterschreibst den Lebenslauf handschriftlich.
Bei einem überzeugenden Lebenslauf zählt nicht nur die Optik. Es kommt auch darauf an, dass du deine Inhalte ansprechend vermittelst. Nachfolgend haben wir ein paar Empfehlungen für dich zusammengestellt, die dir dabei helfen.
Tipps für das Schreiben eines antichronologischen Lebenslaufs
Damit du mit deinem Lebenslauf (und deinem Bewerbungsschreiben) bei Personalern punktest, solltest du beim Ausarbeiten Folgendes beachten:
- Design und Layout: Achte darauf, dass beides zu Branche und Image des Unternehmens, aber auch zu den Werten passt, die du transportieren möchtest.
- Stimmiger Gesamteindruck: Achte auf Schriftart und -größe, Ausrichtung, Ränder und ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Text und Freiräumen und verzichte auf übermäßiges Formatieren. Auch dein Bewerbungsschreiben sollte optisch zum Lebenslauf passen.
- Fehlerfreiheit: Vermeide Grammatik-, Tipp- und Rechtschreibfehler sowie umständliche Formulierungen und Logikfehler. Lasse dein Werk am besten von einer anderen Person gegenlesen.
- Relevanz: Ermittle anhand der Stellenanzeige, welche Fähigkeiten und Kenntnisse das Unternehmen konkret sucht, achte auf die dort verwendeten Keywords und gehe in deinem Lebenslauf (und im Bewerbungsschreiben) auf die genannten Anforderungen ein.
- Aktive Sprache: Langatmige und sterile Formulierungen erschweren den Lesefluss. Setze auf eine präzise und aktive Sprache. Verwende ausdrucksstarke Verben, die deine Erfahrung und deine Tätigkeiten anschaulich beschreiben.
- Wiederholungen vermeiden: Umschreibe gesuchte Eigenschaften und Kompetenzen mit anderen Worten, suche im Internet nach Synonymen und prüfe, welche Terminologie in vergleichbaren Stellenanzeigen verwendet wird.
Warum der antichronologische Lebenslauf die bessere Wahl ist
Wir haben es ja eingangs bereits erwähnt: Der tabellarische antichronologische Lebenslauf ist bei Personalern und Jobsuchenden die Nummer 1. Dies ist schlicht seinen zahlreichen Vorteilen geschuldet:
- Er ist modern, kompakt und übersichtlich und zeigt Personalern auf den ersten Blick, welche Qualifikationen und Erfahrungen du mitbringst, da deine aktuellen Informationen zuerst aufgeführt sind.
- Personaler bevorzugen ihn, da sie ihn effizienter screenen und Kandidaten besser vergleichen können.
- Er bietet Jobsuchenden Raum für Gestaltung und Personalisierung und lässt sich einfacher aus dem Gedächtnis heraus schreiben.
- Die Erstellung ist mithilfe von Vorlagen im Internet oder einem Lebenslauf-Generator intuitiv und einfach.
Für wen sich der antichronologische Lebenslauf anbietet
Der antichronologische Lebenslauf bietet sich in der Regel für Jobsuchende an, die bereits über mehrjährige und kontinuierliche Berufserfahrung verfügen und deren berufliche Laufbahn mehr oder weniger klassisch verlaufen ist, d. h. die sich vom Berufseinsteiger zu höheren (leitenden) Positionen hochgearbeitet haben. Diese Entwicklung kommt beim antichronologischen Lebenslauf besonders gut zur Geltung.
Wann ein anderes Format besser ist
Doch es gibt durchaus Situationen und Werdegänge, für die das antichronologische und das chronologische Format ungeeignet sind. In dem Fall gibt es folgende zwei Alternativen:
Funktionaler Lebenslauf: Der funktionale Lebenslauf ist im Aufbau nicht nach zeitlichen Ereignissen, sondern nach Funktionen gegliedert. Er hebt deine Fähigkeiten und Talente hervor und verdeutlicht deren Relevanz für die betreffende Stelle. Das könnten etwa kommunikative Fähigkeiten oder Computerskills sein.
Kombinierter Lebenslauf: Der kombinierte Lebenslauf ist eine Hybridform aus antichronologischem und funktionalem Lebenslauf. Er übernimmt Elemente des funktionalen Lebenslaufs, enthält aber zusätzlich eine verkürzte Aufstellung der einzelnen Arbeitsstationen. Diese Mischform bietet sich an, wenn du bereits Arbeitserfahrung vorweisen kannst, aber möglicherweise nicht genug für eine rein antichronologische Form.
In folgenden Situationen stehst du mit einem anderen Format besser da:
Situation | Erklärung |
Berufseinsteiger | Du kommst frisch von der Uni oder hast erst wenig Berufserfahrung. Dann würde eine antichronologische Aufstellung etwas dünn wirken. Setze hier besser auf das funktionale Lebenslaufformat und hebe andere Bereiche wie Ehrenämter, relevante Ferienjobs oder ein Freiwilliges Soziales Jahr hervor. |
Quereinsteiger | Angenommen, du bist erfahrener Schreiner und möchtest als Quereinsteiger in die Informatikwelt eintauchen. In dem Fall ist es für Personaler wenig relevant, welche Möbelstücke du in den letzten Jahren produziert hast. Hier betonst du besser deine Zertifikate in Netzwerksicherheit und Virenschutz, deine Vorliebe für Programmiersprachen sowie Teamfähigkeit, analytisches Denken und Detailorientierung. |
Viele Wechsel und Lücken | Für Jobsuchende, die zuletzt häufig den Arbeitgeber gewechselt haben oder in Elternzeit oder arbeitslos waren, vermittelt das antichronologische Lebenslaufformat mitunter Unbeständigkeit bzw. Inaktivität. Hier solltest du ebenfalls deine Fähigkeiten in den Vordergrund rücken und dich für einen funktionalen oder kombinierten Lebenslauf entscheiden. |
Herkömmliche Branchen | In Branchen mit traditionellen Strukturen, Kommunikationsformen und Karrierewegen, etwa in der Politik, der öffentlichen Verwaltung oder in internationalen Großkonzernen, sind chronologische Lebensläufe oft noch weit verbreitet. Passe dich in dem Fall den Gepflogenheiten an. |
Weitere wertvolle Tipps rund um Lebenslauf, Bewerbung und Karriere findest du übrigens in unserem Karriereportal.
In wenigen Schritten zum perfekten Lebenslauf
Von den wenigen Ausnahmen einmal abgesehen, ist der umgekehrt chronologische Lebenslauf nicht ohne Grund so beliebt. Er ist:
- flexibel & personalisierbar
- modern & kompakt
- betont deine Highlights
- ermöglicht Recruitern ein effizientes Screening.
Jetzt musst du nur noch starten! Hier bei Jobseeker findest du jede Menge Beispiele und Vorlagen, mit denen du im Handumdrehen einen überzeugenden Lebenslauf und das passende Bewerbungsschreiben dazu erstellst.
Das ist aber noch nicht alles: Wir halten auch eine Datenbank mit aktuellen Jobangeboten für dich bereit, in der du nach einer passenden Stelle Ausschau halten und Lebenslauf und Anschreiben direkt ausprobieren kannst. Deine Bewerbungsaktivitäten kannst du bequem nachverfolgen, sodass du stets den Überblick behältst.
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